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– Der Vater von Ariane Roth (11d) startete zum 4. Mal bei der Ironman-World-Championship in Kailua-Kona auf Hawaii

Zum Interview begrüßt mich Volkmar Roth im Rad-Dress und lehnt Kaffee und Wasser ab: „Morgens trainiere ich immer nüchtern.“ Es ist 7.45 Uhr und ich denke an mein Frühstück.
Eigentlich ist gerade Trainingspause, erklärt er mir. Einmal im Jahr einen Monat: „Das muss sein!“ Und das muss jetzt sein, nachdem er am 13.10.18 beim Ironman auf Hawaii angetreten ist und nach 3,8 km im Wasser und 180 km auf dem Rad plus Marathon als 56. in seiner Altersklasse das Ziel erreichte - „finishte“ in der Sportlersprache. Und das im Alter von immerhin 55 Jahren.

Normalerweise trainiert er 18 h pro Woche. Aber wer seit Januar 260 km geschwommen, 1510 km gelaufen und 12850 km Rad gefahren ist, der kann in der Pause nicht einfach nichts tun. „Moderates Training ist angesagt, mit viel Dehnen und Muskelentspannung. „90% der Dehn-Übungen kommen dabei aus dem Yoga,“ erklärt er. Ich bin erstaunt: das ist doch das, was ich mache (die ich keinen Halbmarathon schaffe). Noch viel erstaunlicher klingt sein Statement: „Ich bin kein Wettkampf-Typ.“ Will heißen: „Ich muss nicht auf's Treppchen. Wer der Erste ist, hat die Neider.“ Das gibt er auch an seine Kinder weiter, auch an Ariane, die selbst gerade bei den Deutschen Meisterschaften des DLRG geschwommen ist, Handball spielt, Trampolin springt, Sportmentorin ist, im Kinderturnen hilft und eine Gruppe im DLRG leitet. „Viele Sportler brennen ihre Lebenskerze auf beiden Seiten an – oder schneiden sie durch und dann an vier...“ kritisiert er. Die Geschichten über ausgebrannte Profi-Sportler sind bekannt. „Mein Vorbild ist nicht Patrick Lange, der gesiegt, sondern der 86jährige, der noch gefinisht hat.“

„Klar“, räumt er ein, „alle wollen 'Daylightfinisher' sein“, (also: bei Tageslicht ankommen). Er sei mit 11 h 15min eben ein „Abend-Roth-Finisher“ gewesen erklärt er und schmunzelt über das Wortspiel. Seine beste Zeit auf Hawaii war bisher 10 h 35 min. „Ich musste mich total beherrschen, so langsam zu machen, aber ich war nicht da zum Gewinnen, ich war da zum Genießen!“ Genießen angesichts dieser Strapazen? Ja: „Als ich aus dem Wasser kam, habe ich mich erst einmal hingesetzt und mir ein Handtuch genommen“, erklärt er. „Dann habe ich die salzwassergetränkten Sachen ausgezogen, denn Salzwasser reibt.“ Und weil er sich Zeit zum Eincremen nimmt, hat er später keinen Sonnenbrand. Dann dauert der Wechsel eben 9 min und nicht 2,5. „Unterwegs lächele ich die Volunteers an und bedanke mich für die Unterstützung. Das Lächeln kommt zurück und dann fühlt man sich gut.“
Die Hawaiianer teilen diese Einstellung: 'hang loose' nennen sie es. „Da hole ich mir meine Tiefenentspannung für das ganze Jahr.“ Beim Triathlon? Auf Hawaii. „Da ist es so heiß, da kann man sich gar nicht aufregen.“ Die Hawaiianer seien sehr naturverbunden. „Die wollen nicht jedes Jahr 10% Wachstum, die wollen das, was sie jetzt haben, auch noch für ihre Enkel erhalten.“ So trainiert Roth auch. Ohne Raubbau am eigenen Körper. Nachhaltig. „Ich will das auch noch in 20 Jahren machen können.“ Dazu praktiziert er neben Yoga auch progressive Muskelentspannung nach Jacobson.

     
„Man muss nicht leiden, um zu finishen“, ist seine Devise. Wenn die letzten sich nachts um zwölf ins Ziel schleppen müssten und danach keinen Schritt mehr machen könnten, das sei nicht gesund. „Aber ich habe nach dem Rennen noch Kraft, um im Hotel in den 5. Stock zu laufen und um Mitternacht an die Ziellinie zurückzukommen, um ihnen zuzujubeln.“
Deshalb will er auch keinen Sponsor. „Dann möchte man dem gefallen und trainiert auch, wenn es einem nicht gut geht und dann ist man am Ende krank oder verletzt.“ Und ohne Sponsor? Tri-Mag hat ausgerechnet, dass die Teilnehmer im Schnitt rund 20.000 € für einen Start beim Ironman Hawaii investieren – Training und Qualifikation eingerechnet. Deshalb sei Deutschland auch mit 210 so genannten 'Agegroupern', also Altersklassen-Athleten, wieder die zweitgrößte Gruppe nach dem Gastgeberland: „Wir haben das meiste Geld, vor allem in der Altersklasse zwischen 40 und 50.“ Auch stimmt in Deutschland die Infrastruktur wie Schwimmbäder und gute Straßen.
Zum Genießen beigetragen hat auch seine Frau, die mit ihm neben dem Sightseeing-Programm eine 90 km lange Fahrradtour absolviert hat. Besonders begeistert ist Roth auf Hawaii zudem von der Athmosphäre: „Da trifft man die ganzen Ex-Weltmeister, Thomas Hellriegel und Daniel Unger (Weltmeister auf der Kurzdistanz (2007).“ Mit Ehrfurcht erfüllen ihn dort nicht nur die Sport-Größen, sondern auch die Natur. „Ich bin mit Delphinen geschwommen und habe – vor zwei Jahren – die Lawa ins Meer fließen sehen. Die Berge sind über 4000 m hoch und reichen 5000 m tief ins Meer: Das ist höher als der Mount Everest im Himalaya. Man fühlt sich ganz klein.“
Seine beste Disziplin sei das Laufen. „Bei der Qualifikation in Frankfurt war ich nach dem Schwimmen 9., nach dem Fahren 8. und nach dem Lauf 4.“ Die ersten vier qualifizieren sich für Hawaii. Dennoch sagt er: „Der Marathon ist die Hölle.“ „Bei 32°C auf dem heißen Asphalt, da läuft man schonmal auf der weißen Linie, weil es einem dann die Sohlen nicht so wegbrennt.“ Gefährlicher sei allerdings das Radfahren. „Die Lava-Steinchen sind wie Glas und man hat schnell einen Platten. Und bei Seitenwinden von 70 km/h gibt es viele Stürze. Auch das Schwimmen ist nicht ohne. Beim Massenstart stehen alle 1732 Männer gleichzeitig im Wasser. „Mir war richtig schlecht. Ich stand Mitte Mitte – da braucht man gute Nerven.“ Wenn der Startschuss fällt sieht das aus wie Fische im Netz. Ob dabei manchmal auch Unfälle passieren? „Da gibt es Körperkontakt. Und wenn einer durchdreht, der schwimmt dann über alle anderen hinweg, da wird man auch mal unter Wasser gedrückt.“
Wenn er zu Hause eine Herausforderung sucht, geht er im Epple-See schwimmen, so wie am Vortag morgens um 6:30 Uhr vor unserem Interview. Im Dunkeln. Oder er geht Spazieren. Barfuß. Über die Felder. Im Winter auch im Schnee – dann eben nur 30 min. In kurzen Hosen, versteht sich. „Die Nachbarn kennen das schon“, erzählt Roth und vermutet: „Die denken sicher: 'Da kommt wieder der Verrückte.'“ Aber Abhärtung sei wichtig. „Ich werde eigentlich nie krank.“ Aber „ansteckend“ ist er trotzdem, nämlich mit seiner Einstellung, die er vorlebt. „Das tolle am Triathlon ist: Man ist immer draußen. Das ist wichtig für die Melatonin-Produktion“, weiß er. „Im Geschäft jage ich in der Mittagspause alle raus – inzwischen kommt auch der Chef mit.“ Weil es gut tut und „wenn ich dann wieder die Ironman-Quali schaffe und in Hawaii finishe, dann glaubt man mir auch.“

S. Guttmann

(11/2018)
 

   
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