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– Der ökumenische Weihnachtsgottesdienst am 19.12.2018 in St. Hedwig

Wenn der Musiklehrer mit dem Physiklehrer in St. Hedwig zu „Geht, sagt es allen weiter“ jazzt, dann ist der Weihnachtsgottesdienst des Otto-Hahn-Gymnasiums gerade vorbei. Die letzten Kolleginnen stehen noch da und lauschen.

Ob sich das diesjährige Motto „There is a crack in everything“ gleich für Herrn Riggs Gitarre wahr wird, wenn er die Saiten zwischen den Wirbeln anschlägt, so dass sie wie Glöckchen klingen? Als er genüsslich mit dem Plektron die dicke A-Saite hinaufstreicht und ihr einen schaurig-schönen Schlusston entlockt, ist es sicher fast so weit. Aber nichts reißt: Bei der Gitarre hat Gott sicher zwischen den Saiten genug Platz zum Durchschauen.

“There is a crack in everything, that's where the light gets in“ so heißt es bei Leonard Cohen in seinem Song „Anthem“: „Ein Riss ist in allem – das ist da, wo das Licht hereinscheint.“ Das Licht, das in dem Song des vor zwei Jahren verstorbenen Singer-Songwriters gut für Gott stehen kann.

Dieser Spur folgen die beiden Religionslehrinnen Frau Wagner und Frau Michels mit ihrem SchülerInnenteam, um den rund 600 Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen die Weihnachtsbotschaft in unsere Zeit zu übersetzen: Gott zeigt sich gerade auch in den Rissen des Lebens, er ist uns nahe in allem Verletzlichen und Zerbrechlichen.

Lichtkreuz in St. Hedwig, Karlsruhe

„Es geht ein Riss durch die Gesellschaft“ ist immer wieder in der Zeitung zu lesen, um die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich bildlich zu fassen. Wenn in Japan ein Porzellangefäß zerbricht, so wird es wieder zusammengefügt und die Risse mit Gold gefüllt. Dieser fernöstlichen Tradition folgend erinnert ein goldfarbener Riss über den Breitscheidplatz in Berlin zu den Stufen der Gedächtniskirche an die Opfer des Terroranschlages auf dem Weihnachtsmarkt vor genau zwei Jahren am 19.12.2016.

Das Lied „Die Antwort weiß ganz allein der Herr“ erinnert an die vielen anderen Risse in vieler anderer Menschen Leben, die „vor Hunger nicht einschlafen“, – Eine Zeile, die mich betroffen macht: ich kann auch nicht schlafen, wenn ich hungrig bin, aber ich gehe dann einfach an den Kühlschrank. Kann ich mir echten Hunger überhaupt vorstellen? Eine Schülerin wundert sich beim Singen über die Zeile, die fragt „Wie viele Berge von Geld gibt man aus / für Bomben, Raketen und Tod?“ Man gebe doch nicht Geld für den Tod aus. Eine Mitschülerin erklärt ihr leise: „Na klar, Krieg und so!“

Auch die alltäglicheren Kümmernisse finden in diesem Gottesdienst einen Platz: Streit in der Klasse oder in den Familien, das Zerbrechen von Freundschaften oder Partnerschaften; Erwartungen und wie weh es tut, wenn man sie nicht erfüllen kann und wenn die anderen dann von einem enttäuscht sind. Wer kennt das nicht?

Unbeantwortete Warum-Fragen reißen Risse, erklären die Schülerinnen und Schüler der Kursstufe, die an diesem Morgen am Ambo stehen. Mit überzeugter Stimme verleihen sie ihrer Hoffnung Ausdruck, dass etwas Neues wachsen und ein respektvoller Dialog entstehen kann und soll, wo Menschen hierzulande das Kommen von Flüchtlingen als einen Riss in „ihrer“ Gesellschaft empfinden. Die hoffnungsvolleren Töne klingen hier an und es wird an die Lichtblicke erinnert, wo Menschen einander unterstützend zur Seite stehen.

Vor 70 Jahren wurde die Menschenrechtsresolution der Vereinten Nationen verabschiedet. Immer wieder erhält sie Risse: wenn Menschen die hier verbürgten Rechte nicht erhalten, weil sie in ihrer Heimat als minderwertig gelten. Aber auch, wenn sie selbst schuldig geworden sind und manch einer sie ihnen gerne aberkennen würde. Noch immer kämpfen Menschen für die weltweite Umsetzung der Menschenrechte – und nicht selten müssen wir das als Lehrerinnen und Lehrer im Kleinen in unseren eigenen Klassenzimmern tun, und wenn es nur darum geht, Jungs und Mädchen gleich zu behandeln .

Überall da, wo Risse sind, ist Gott und scheint herein, ist da und bleibt, um die Wunden zu heilen. Die christliche Botschaft von der Geburt Jesu, dass durch ihn Gott uns Menschen als Mensch nahe gekommen ist, will uns Hoffnung machen und unser Vertrauen darauf stärken, dass Risse zusammenwachsen können, wenn wir Menschen achtsam miteinander umgehen. Die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium verkündet die Frohe Botschaft  und im Vorspiel zu dem erlösenden „Seht ihr unseren Stern dort stehen?“ klingen auf Herrn Hartmanns E-Piano die ersten jazzigen Töne an. Lebensfreude scheint also auch zwischen den Tasten eines Klaviers hindurch.

Etwas von dem weihnachtlichen Licht haben am letzten Schultag im Jahr 2018 in unseren Alltag gebracht Frau Michels und Frau Wagner, 14 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 11, 9 und 7, Herr Hartmann und Herr Rigg – und alle, die da waren und ihrem Nebenmann oder ihrer Nebenfrau mit der Hand auf der Schulter Gottes Segen gewünscht haben.

Ihnen allen mit Ihren Familien schöne Ferien, gesegnete Feiertage und kommen Sie gut ins neue Jahr, wann immer es für Sie anfängt.

S. Guttmann        (12/2018)              Fotos: I. Wagner

 
 
 
 
   
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