[Jahrbuchartikel, 13.11.11]

Voller Spannung verließen wir am Donnerstag, 13. Oktober 2011 Deutschland. Endlich war der Tag der Abreise gekommen, endlich sollten wir uns auf den Weg machen und unsere Austauschpartner in Litchfield, Minnesota kennenzulernen.

Auf dem Flug wurden wir vom Kapitän persönlich über Lautsprecher wegen unseres vorbildlichen Verhaltens gelobt, was wir total lustig fanden. Der Kapitän sagte sogar, wie gut er es fände, wenn Schüler solche Austausche machten.

Nach einem etwas hektischem Zwischenstopp in Chicago (Frau Scheefer musste sich noch um Boarding cards für Valentine und Nabil kümmern und hätte fast den Flieger verpasst), flogen wir weiter nach Minneapolis, die Hauptstadt Minnesotas, die lediglich anderthalb Stunden von „unserem“ Litchfield entfernt liegt.

Dort wurden wir dann von einem typisch amerikanischem Schulbus (so ein gelber!) abgeholt und nach zwei Stunden Fahrt und einem kurzen Stop bei Mc Donald’s (natürlich!), kamen wir endlich in Litchfield an. Schon bei der Fahrt konnten wir klar erkennen, warum Minnesota das „Land der 10.000 Seen“ ist.

Als wir an der Litchfield High School ankamen, wurden wir schon sehnlichst erwartet und sehr herzlich empfangen. Da wir alle schon vorher Kontakt per Facebook hatten, war es kein Problem, unsere jeweiligen Partner zu finden. Und los ging’s in die Familien!

Nach ein paar Tagen Eingewöhnung bekamen wir unseren individuellen Stundenplan mit den Fächern, die wir vorher gewählt hatten. Wir hatten natürlich auch für uns ziemlich außergewöhnliche Fächer gewählt, wie z.B. „Kochen“/“basic foods“, „Fotografie“/“photography“, „Gewichtheben“/“weight lifting“, „Journalismus“/“journalism“ oder „Kleinmotoren“/“small engines“ usw. Natürlich gab es auch „normale“ Fächer wie Mathe, Englisch und Geschichte. Für uns war der Unterricht recht entspannt, weil das Niveau auf einer High School nicht dem eines Gymnasiums, sondern eher einer Gesamtschule entspricht. Wir kamen uns echt vor wie in einem typischen amerikanischen High School Film: Jeder von uns bekam einen „Locker“, ein Schließfach, die Schule sah genau so aus, wie man sie kennt. Wir fanden es erstaunlich, dass die meisten amerikanischen Schüler sehr gemütlich gekleidet, also in Jogginghosen und Sportpullis und Sneakers, in die Schule kamen. Kleidungsmäßig unterstützen sie ihre Sportschulteams sehr, das heißt, man kann in im schuleigenen „Dragon Apparel Store“ von Collegejacken, über Handschuhe und Mützen, bis zu Kaffeetassen und Trainingsjacken alles zu eigentlich ganz anständigen Preisen kaufen.

Das Symbol der Schule ist ein Drache/dragon, nach dem auch jede Sportschulmannschaft benannt ist. Alle sind also die „Litchfield Dragons“, Volleyball, Football, Hockey, Schwimmen, Cross Country, Baseball, Basketball und Golf. Auf amerikanischen Schulen werden die Sportteams von so gut wie allen lautstark und voller Enthusiasmus unterstützt. Das bedeutet, dass Sportereignisse zu Großveranstaltungen werden, für die man Eintritt zahlen muss und zu denen nicht nur viele Eltern, Geschwister, Mitschüler und Freunde kommen, sondern fast die ganze „Stadt“ (Litchfield ist ja mit seinen knapp 6000 Einwohnern eher ein Dorf). Ungwohnt für uns, aber sehr lobenswert, war für uns die Tatsache, dass Behinderte oder Kinder mit „special needs“ (also Kinder, die besonderer Hilfe beanspruchen) in den Schulalltag somit auch auf Sportwettkämpfen voll integriert werden.

Ein typischer Tag für uns lief folgendermaßen ab:

7 Uhr: aufstehen, frühstücken

8:10 Uhr Schulbeginn

zwischen 11:33 (ja, die haben da so komische Zeiten mit ungeraden Zahlen) und 12:30 gab es Lunch in der Cafeteria, die man erst nach dem Gong wieder verlassen durfte.

12:30 bis 15 Uhr noch drei Stunden Unterricht

ab 15 Uhr: meistens Programm mit Frau Scheefer, Frau Schneider, Frau Larson und einigen amerikanischen Schülern. Z.B. Besuch in einem Kletterpark (Prairie Woods), Kanufahren auf dem Crow River (manche gingen sogar schwimmen!), Besuch auf einer Kürbisfarm mit Maislabyrinth, Seifenkistenrennen, Kürbiskatapult und Truthähnen. Außerdem besuchten wir das städtische Heimatmuseum und machten eine Schnitzeljagd durch Litchfield (die allerdings nicht besonders schwierig war, weil Litchfield eben einfach SEHR klein ist).

Abends haben sich oftmals amerikanische und viele deutsche Schüler getroffen und haben Billiard gespielt, DVDs angeschaut und deutsch-amerikanische Begegnungen erlebt, also viel Spaß gehabt. Einige von uns wohnten aber so weit weg, dass sie nicht immer mit konnten. Nach zweieinhalb wunderbaren Wochen mit sehr vielen tollen Erlebnissen von Kanufahren, shoppen in der „Mall of America“, Besuchen von Museen, Altenheim und vielen anderen Dingen, kam der Tag, an dem wir Litchfield verlassen mussten. An unserem letzten Abend haben wir alle zusammen noch einmal gemeinsam mit den Amerikanern gefeiert.

Nach einer Verabschiedung mit schwerem Herzen und vielen Tränen ging es dann schließlich los nach New York. Keiner von uns wollte wirklich von Litchfield weg, wir wären viel lieber noch dort geblieben. Vier lange und anstrengende, aber tolle Tage lagen nun vor uns. Nach Busfahrt, Flug und einer weiteren Busfahrt sind wir dann endlich in unserem YMCA in Manhattan angekommen. Wir hatten nun ein bisschen Zeit uns an die etwas kleinen Zimmer zu gewöhnen und uns einzurichten. Am Abend dann waren wir auf dem Empire State Building, haben die wunderbare Aussicht genossen und tausende Bilder von New York bei Nacht geschossen. Auf dem Rückweg machten wir einen kleinen Schlenker über den Times Square. Montagmorgen besuchten wir zuerst die Freiheitsstatue dann Ellis Island und sind dann noch am Ground Zero gewesen. Abends waren wir dann noch an der großen Halloween Parade. An den nächsten beiden Tagen liefen wir über dir Brooklyn Bridge, spazierten auf dem Highway, hatten Zeit zum shoppen am Times Square, waren im Central Park und in der UN. Viele von uns sind auch einmal mit dem Taxi gefahren. In New York generell hatten wir ziemlich viel Programm in sehr kurzer Zeit. Am Mittwochabend, als wir dann am Flughafen in New York standen, taten uns allen die Füße weh vom vielen Laufen. Die drei Wochen in Amerika gingen so schnell vorbei, wir konnten noch nicht glauben dass es schon wieder zurück nach Deutschland ging. Wir hatten so viel Spaß alle zusammen und haben sehr viele schöne Eindrücke gesammelt. Es war ein tolles Erlebnis in Amerika. Aber nach drei Wochen haben wir uns dann auch wieder auf zu Hause gefreut, obwohl wir alle Leute aus Litchfield sehr vermissen.

   
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