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Wie auch in der Politik ist die "Flüchtlingskrise" ein wichtiges Thema in den Schulen. In den Klassen wird viel diskutiert und natürlich auch viel kritisiert. Jeder hat seine eigene persönliche Meinung. Auch aufgrund vieler Vorkommnisse in letzter Zeit, wie in Köln, stellen sich die Schülerinnen und Schüler viele Fragen.

Ist der Staat überfordert mit der großen Zahl an Flüchtlingen? Wie wird versucht, die Flüchtlinge aus unterschiedlichen Kulturkreisen in das Alltagsleben in der Bundesrepublik Deutschland zu integrieren?

Um diesen und anderen Fragen zum Thema auf den Grund zu gehen, hat das Otto-Hahn-Gymnasium Karlsruhe durch die Organisation und das Engagement von Frau Siebke und Herrn Scheefer zu einer Gesprächsrunde für den 27. Januar 2016 eingeladen. Als Gäste durfte das Otto-Hahn-Gymnasium auch Ebrima, einen Flüchtling aus Gambia, begrüßen, der sich dazu bereit erklärt hatte, die Fragen neugieriger und interessierter Schüler zu beantworten. Begleitet wurde er von Claudia Schaube, seiner Betreuerin in der Wohngruppe. Darüber hinaus waren Lüppo Cramer von der Notunterkunft Kriegsstraße sowie Christa Zemke und Nela Hüttche als Ehrenamtliche von der Kleiderkammer der Unterkunft in der Mackensenkaserne gekommen. Im Publikum saßen die Oberstufenkurse mit dem Neigungsfach Gemeinschaftskunde und Geografie und weitere interessierte Schülerinnen und Schüler, insbesondere aus der SMV.

Die knapp 90-minütige Diskussion, welche von Frau Siebke, Lehrerin des Gemeinschaftskundekurses, geleitet wurde, begann mit einer kurzen Vorstellungsrunde, in der jeder der geladenen fünf Gäste über seine Person und seine Tätigkeit informierte. Von Ebrima, welcher sich mit seiner Betreuerin in seiner Wohngruppe auf diese Diskussion vorbereitet hatte, erfuhr das Publikum, dass er 18 Jahre alt ist, dass er mit 16 Jahren aus seiner Heimat Gambia geflohen ist und zwei Jahre für die gefährliche Reise nach Deutschland gebraucht hat. Sichtlich bewegt erzählte er, dass er seit acht Monaten in Deutschland lebt und momentan in einer von der AWO organisierten internationalen Wohngruppe in Karlsruhe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge wohnt und dass er eine überbetriebliche Ausbildung zum Tischler macht. Außerdem erfuhren wir, dass Ebrima eine Duldung in Deutschland hat, welche er alle drei Monate bei der Ausländerbehörde verlängern muss.

Nach der Vorstellungsrunde durften Fragen gestellt werden. Während dieser Diskussion hat man viele wichtige Informationen aus erster Hand bekommen, z.B. welch immense Rolle das Ehrenamt spielt, und dass ohne die große Hilfsbereitschaft der Bürger alles zusammenbrechen würde und welche Bedeutung das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat. Des Weiteren wurde uns von  den Ehrenamtlichen die große Bereitschaft und der große Ehrgeiz vieler Flüchtlinge geschildert, die deutsche Sprache zu erlernen, dass es sogar eine zu große Anzahl an Flüchtlingen ist, welche an Deutschkursen gerne teilnehmen möchten und dass es einfach zu wenig Räume gibt, um diesen Bedarf zu decken.

Neben den politischen Aspekten wurde uns auch deutlich, wie wichtig die gesellschaftlichen Aspekte sind für das friedliche Zusammenleben in den Unterkünften und für Integration. So spielt der Sport für viele Flüchtlinge eine große Rolle, dass sie sich beispielsweise in einem Fußball- oder Leichtathletikverein als Teil der Gesellschaft auch einbringen können und sich dort auch akzeptiert fühlen. Genauso war es bei Ebrima. Nach seiner Ankunft in Karlsruhe wurde schnell erkannt, welch talentierter Läufer er ist. Daraufhin schickte man ihn zu einem Lauftraining von Herrn Scheefer, Lehrer des Neigungsfaches Geographie. Dort unter „Gleichgesinnten“ zu sein und etwas zu einer Gruppe beitragen zu können, war nach der langen Flucht endlich wieder eine positive Erfahrung und gefällt ihm gut. Bei vielen Flüchtlingen ist auch das Gefühl, anderen Menschen vertrauen zu können, verloren gegangen und es braucht viel Zeit, um dieses wieder aufzubauen.

Als er dann zum Schluss noch seinen Fluchtweg schilderte, wie er nämlich sämtliche Länder durchquerte (Senegal, Burkina Faso, Mali, Niger, Libyen, dann über das Mittelmeer nach Italien) um nach Deutschland zu gelangen, wurde einigen klar, dass es wirklich ernsthafte, schlimme Gründe gibt, die die Flüchtlinge zu so einer Reise zwingen. Am Ende wurden die fünf Gäste mit großen Applaus verabschiedet und jeder im Publikum war froh, nun auch Informationen aus erster Hand erhalten zu haben und jeder ist mit hoffentlich neuen, hilfreichen Erkenntnissen aus der Diskussion gegangen und hat dadurch möglicherweise seiner persönliche Sicht auf dieses Thema geändert. Auf jeden Fall war es eine gelungene Diskussion zu diesem schwierigen Thema. Das Otto-Hahn-Gymnasium bedankt sich deshalb bei allen Gästen für ihr Kommen und wünscht weiterhin viel Erfolg beim gemeinsamen Bewältigen dieser Herausforderung.

 Ismael El-Hadj, Kursstufe 1

 

Anmerkung:

Die Notunterkunft in der Mackensenkaserne benötigt nach wie vor Spenden, nähere Informationen über den Bedarf finden sich hier

 

   
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