„Religion“ vom lateinischen Wort „relegere“ meint wörtlich „Sorgfalt / Achtsamkeit walten lassen“. Im Unterschied zum Ethikunterricht geht es im Fach Religion tatsächlich um ein Spüren und Erleben von dem, was das Vertrauen auf Gott ausmacht. Menschen haben seit Jahrhunderten Erfahrungen mit dem Glauben an Gott gemacht und diese Erfahrungen weitergegeben. Im Religionsunterricht lernt man auch von den vielen Menschen, die zu anderen Zeiten und an anderen Orten an Gott geglaubt haben.
Im Religionsunterricht braucht es viele Fragen! Zum Beispiel:
Warum lesen Menschen noch heute in der Bibel?
Wer war Jesus von Nazareth?
Woran glauben Juden, Muslime, Hinduisten und Buddhisten im Unterschied zu Christen?
Kann man heute noch nach Gottes Geboten leben?
Warum engagieren sich Christen für Frieden und Gerechtigkeit?
Wie reden Christen mit Atheisten?
Ist Glauben logisch?
Wieso gibt es heute so viele verschiedene Kirchen?
Wer ist der Papst?
Am evangelischen oder katholischen Religionsunterricht sollte man teilnehmen, wenn man sich für das Christentum interessiert und wenn man neugierig darauf ist, Menschen kennen zu lernen, die von ihren Erfahrungen mit dem christlichen Glauben erzählen. Das Nachdenken über Gott und die Welt (und damit auch über sich selbst) kann im besten Falle auch der Lerngemeinschaft im Religionsunterricht ein Gefühl liebevoller Verbundenheit vermitteln: Wenn es so ist, dass Gott alles und jeden geschaffen hat und ihm diese Welt und seine Menschen gehören, ist jeder Mensch wichtig und jeder mit jedem verbunden. Auch sind dann alle Menschen mit dem von Gott Geschaffenen verbunden: mit den Tieren, dem Wasser, dem Licht usw. Das Christentum ist gelebte Gemeinschaft, an der jede und jeder gleichberechtigt teilhaben kann.
Das Nachdenken, was für Menschen gut und gerecht ist, was Freiheit bedeutet, wie Menschen mit Leid und Schuld umgehen, verbindet das Fach Religion mit dem Fach Ethik. Entscheidend beim moralischen Urteilen sind nicht Schubladen, auf denen „richtig“ oder „falsch“ steht, sondern das logische Begründen des Guten und Besseren. In all den Fragen, die notwendig zu stellen sind, können sich die Schülerinnen und Schüler selbst wiederfinden und sich in Auseinandersetzung mit Vertretern von Theologie und Philosophie eine eigene Meinung bilden.
Wenn alles seinen Grund und seinen Sinn in Gott hat, erlaubt dies auch Hoffnung an Stellen, die absolut sinnlos sind, die uns entmutigen oder verzweifeln lassen. Wir haben in der Schule die Erfahrung gemacht, was es bedeutet, wenn ein Lehrer oder eine Lehrerin und Konrektorin stirbt. Im religiösen Nachdenken über Leben und Tod, geht es auch um das gemeinschaftliche Erleben und Spüren, was wirklich wichtig ist, was uns als Schulgemeinschaft durch schwierige Zeiten hindurchtragen kann.
Am Otto-Hahn-Gymnasium gestalten wir das Fach Religion wenn auch in konfessionell verschiedener Verantwortung doch in engem ökumenischem Austausch miteinander. Wir profitieren von der Nähe zu den beiden Kirchen St. Hedwig und Emmaus, in denen unsere Schulgottesdienste stattfinden, die wir aber auch im Schuljahr mit den Religionsklassen besuchen können. Im Laufe der Schulzeit lernen die Schülerinnen und Schüler auch jüdische, muslimische und buddhistische Menschen kennen. Das Gespräch und der Austausch in der Synagoge, der Moschee oder dem buddhistischen Zentrum ist wichtig, um im gemeinsamen Anliegen für „Sorgfalt“ und „Achtsamkeit“ in allen Unterschieden die Wege zu mehr Frieden, Mitgefühl und Barmherzigkeit gemeinsam zu gehen. Nicht nur an dieser Stelle leistet das Fach Religion einen Beitrag für „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.
Im Sozialpraktikum in Klasse 9 erleben sich die Schülerinnen und Schüler in diakonischen und karitativen Einrichtungen. Sie lernen Menschen kennen, die auf die Hilfe anderer angewiesen sind und begegnen Menschen, die sich die Sorge und Pflege anderer zur beruflichen Aufgabe gemacht haben. Das Sozialpraktikum wird von den Fächern Religion und Ethik vorbereitet und im Anschluss reflektiert.
Religion und Ethik sind ordentliche Lehrfächer und Wahlpflichtfächer. Um an Evangelischer oder Katholischer Religion teil zu nehmen, braucht es keine Taufe oder Kirchenmitgliedschaft, auch nicht diejenige der Eltern. In der Regel nehmen die katholisch Getauften am katholischen und die evangelisch Getauften am evangelischen Unterricht teil. Schülerinnen und Schüler, die einer anderen christlichen Konfession, wie beispielsweise der orthodoxen angehören, sind sowohl im katholischen als auch evangelischen Unterricht willkommen.
Bild und Text: Pfarrerin Dr. Evi Michels (Im Namen der Religionsfachschaft)